Erste Dietenbacher Festspiele: Besuch aus Linz

Die Stadt plant, das Theater inszeniert

2023 soll in Freiburg ein neuer Stadtteil entstehen – nördlich von Rieselfeld und Weingarten, zwei Vierteln, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während Studierende für mehr Wohnfläche auf die Straße gehen, protestieren Freiburger Landwirte für den Erhalt ihrer Äcker und Brachflächen. Das Dietenbachviertel, wie der zukünftige Stadtteil bereits getauft wurde, ist schon vor seiner Entstehung ein Grund für hitzige Diskussionen.
Für die Stadt Freiburg allerdings ist er vor allem eine Imagekampagne: Ein zukunftsweisendes Viertel soll hier entstehen: Energieeffiziente Eigentumswohnungen sollen ebenso ihren Platz finden wie Sozialbauten und Flüchtlingsunterkünfte.
Aber was sagen eigentlich die Rieselfelder dazu; und was die Weingartner, deren Häuser direkt an das geplante Viertel angrenzen? Könnten sie sich vorstellen, in das neue Viertel überzusiedeln? Welche Ansprüche stellen sie an ihren Wohnbezirk?

Eine Gruppe Theaterschaffender um Graham Smith (Tanz), Bernadette La Hengst (Musik) und Daniel Wahl (Schauspiel) stellt sich genau diese Fragen. Dabei interessiert sie vor allem, was die beiden Stadtteile voneinander trennt, und was sie verbindet: Auffällig sei etwa, wie konzeptuell geplant Rieselfeld ist und wie dadurch ein Stück seines individuellen Charakters verloren gehe, so Graham Smith. In Weingarten Ost dagegen dient ein Einkaufszentrum als Anziehungspunkt, Weingarten West hat kein formales Stadtzentrum. Trotzdem würde man immer wieder an den unterschiedlichsten Orten überaschende Modifizierungen entdecken. Während Daniel plant, die Ergebnisse seiner Stadtteilforschungen am Ende in einem Hörspiel zusamenzuführen, will Bernadette Haushaltsgegenstände der Rieselfelder und Weingartner sammeln und mit diesen ein Song Contest machen. Graham interessiert sich für die unterschiedlich angelegte Architektur in Rieselfeld und Weingarten, die sich über Kitas und Kirchen bis zum schicken Rieselfelder Glashaus und dem Weingartner Einkaufszentrum deutlich voneinander abhebt. Und natürlich für alles, was die zwei Stadtteile bewegt.
Im Sommer 2017 soll aus diesem Projekt ein Festival entstehen, das keinen sozialen Zweck verfolgt, sondern die Kunst in den Mittelpunkt stellt. Eine Woche lang wird um den Dietenbachsee gefeiert, werden Performances aufgeführt, und wenn alles gut läuft, dann gibt es sogar eine Seebühne, auf der ein Streichquartett spielt.

Dieter, das Logo der Dietenbacher Festspiele

Unterstützt werden die Künstler von Studierenden aus Linz, die im weltweit einzigartigen Studiengang »space&designstrategies« eingeschrieben sind. Sechs von ihnen waren mit ihrem Dozenten bereits diese Woche in Freiburg, um sich in Rieselfeld und Weingarten umzusehen und eigene, kleine Projekte zu entwickeln: Romy will die Atmosphäre der Stadtviertel über ihre Sprache ergründen – sie sucht nach Tags und Graffitis und geht der Frage nach, was die unterschiedlichen Straßennamen über ihre Umgebung verraten beziehungsweise wie diese sich selbst auf die Wahrnehmung eines Viertels auswirken. Franziska dagegen hat sich vorgenommen, ihr Projekt vom Friseurstuhl aus zu ergründen: Angelehnt an den Film »Kitchen Stories« aus dem Jahr 2003 will sie als mehr oder weniger teilnahmslose Beobachterin herausfinden, welche Themen in Rieselfelder und Weingartner Friseursalons auf den Tisch kommen und wie diese eventuell mit den neuen Stadtviertel zusammenhängen. Ayan, die dieses Jahr als Erasmusstudentin aus Teheran am Linzer Studiengang teilnimmt, hat auf ihrer ersten Tour durch die beiden Stadtteile hunderte von Fotos gemacht, alle aus ungewöhnlicher Perspektive und mit verengtem Bildausschnitt. Indem sie die Bilder am Ende schichtweise  zusammenfügt, will sie eine Atmosphäre wiedergeben, die sich erst auf den zweiten Blick erschließt. Nächste Woche sind die Studierenden schon wieder in Linz und stellen dort ihren Kommilitonen die verschiedenen Projektideen vor. Sicher kommen sie aber noch einige Male nach Freiburg zurück, bevor ihre künstlerischen Beiträge dann im Juli bei den ersten Dietenbacher Festspielen zum Teil eines großen Ganzen werden.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s